Fallstudie · KI-Automatisierung

Make-Workflow für Kunden: 350 € in 6 Stunden – mein erster Automatisierungsauftrag

Wie ich mit Make und GPT-4 einen E-Mail-Automatisierungs-Workflow für einen echten Kunden gebaut habe – inklusive Zeitaufwand, Preis, Fehlern und dem, was ich beim nächsten Mal anders machen würde.

Von Fabian Hewer · Veröffentlicht: 12. Mai 2026 · Aktualisiert: 10. Juni 2026 · Lesedauer: ~6 Minuten
Kurzfassung: Ich habe für ein kleines Dienstleistungsunternehmen einen E-Mail-Automatisierungs-Workflow mit Make und GPT-4 gebaut. Aufwand: 6 Stunden. Abgerechnet: 350 € Einmalzahlung + 50 €/Monat Wartung. Effektiver Stundensatz: ~58 €/Stunde. Was gut lief, was schiefging – alles hier.

Die Ausgangssituation

Der Kunde – ein kleines Beratungsunternehmen mit 3 Mitarbeitern – hatte ein klassisches Problem: Täglich kamen 30–50 E-Mails rein, die manuell gelesen, kategorisiert und beantwortet werden mussten. Zwei Kategorien machten 80% aus: Terminanfragen und allgemeine Informationsanfragen.

Ich kannte den Inhaber aus meinem Netzwerk. Er erwähnte das Problem beiläufig. Ich fragte, ob er sich eine Automatisierung vorstellen könnte. Er sagte: „Wenn es wirklich funktioniert, ja."

Kein Fiverr, kein Upwork. Direktkontakt. Das ist der Unterschied.

Der Workflow: Was ich gebaut habe

Der Workflow läuft in Make (ehemals Integromat) und verbindet Gmail mit der OpenAI API:

  1. Trigger: Neue E-Mail in Gmail-Postfach eingetroffen
  2. Schritt 1: E-Mail-Text an GPT-4 senden mit Prompt: „Kategorisiere diese E-Mail als: Terminanfrage, Informationsanfrage, Beschwerde, Sonstiges. Antworte nur mit der Kategorie."
  3. Schritt 2: Router in Make leitet je nach Kategorie weiter
  4. Schritt 3a (Terminanfrage): GPT-4 generiert Antwort-Entwurf mit Terminvorschlägen (aus Google Calendar ausgelesen)
  5. Schritt 3b (Informationsanfrage): GPT-4 generiert Antwort-Entwurf basierend auf FAQ-Dokument (als Text im Prompt)
  6. Schritt 4: Entwurf wird als Entwurf in Gmail gespeichert – kein automatisches Senden
  7. Schritt 5: Slack-Benachrichtigung an Kunden: „Neue E-Mail kategorisiert: [Kategorie]. Entwurf bereit."

Wichtig: Der Workflow sendet keine E-Mails automatisch. Der Kunde prüft jeden Entwurf und sendet manuell ab. Das war seine Bedingung – und die richtige Entscheidung.

Zeitaufwand im Detail

AufgabeZeit
Anforderungen klären (Telefonat)45 Minuten
Make-Workflow aufbauen2 Stunden
GPT-4 Prompts entwickeln & testen1,5 Stunden
Google Calendar Integration30 Minuten
Fehler debuggen (Router-Logik)45 Minuten
Demo beim Kunden + Erklärung30 Minuten
Gesamt6 Stunden

Was schiefgelaufen ist

❌ Fehler 1: Zu breiter Prompt am Anfang

Mein erster Kategorisierungs-Prompt war zu lang und zu vage. GPT-4 hat manchmal „Terminanfrage und Informationsanfrage" zurückgegeben statt einer klaren Kategorie. Lösung: Prompt auf eine Zeile reduziert, explizit „Antworte nur mit einem Wort" hinzugefügt.

❌ Fehler 2: Google Calendar API-Limits unterschätzt

Die Google Calendar Integration in Make hat beim ersten Test Fehler geworfen, weil ich die API-Limits nicht beachtet hatte. 30 Minuten Debugging für etwas, das ich hätte vorher recherchieren sollen.

❌ Fehler 3: Preis zu niedrig angesetzt

350 € für 6 Stunden sind ~58 €/Stunde. Das klingt okay, aber ich habe die Nachbetreuung unterschätzt: 2 weitere Stunden für Anpassungen in den ersten 2 Wochen, die ich nicht abgerechnet habe. Beim nächsten Projekt: Wartungsvertrag von Anfang an klarer kommunizieren.

Ergebnis nach 6 Wochen

Der Kunde nutzt den Workflow täglich. Laut seiner Aussage spart er 45–60 Minuten pro Tag. Die Kategorisierungsgenauigkeit liegt bei ~90% – 10% der E-Mails werden falsch kategorisiert und müssen manuell korrigiert werden.

Der Wartungsvertrag (50 €/Monat) läuft. Ich habe bisher 2 kleine Anpassungen vorgenommen (je ~20 Minuten). Das ist ein gutes Verhältnis.

Gesamteinnahmen bisher: 350 € + 100 € (2 Monate Wartung) = 450 €. Gesamtaufwand: ~9 Stunden. Effektiver Stundensatz: ~50 €/Stunde.

Was ich beim nächsten Mal anders mache

  1. Wartungsvertrag von Anfang an als festen Bestandteil des Angebots kommunizieren
  2. Testphase von 2 Wochen explizit einplanen und im Preis berücksichtigen
  3. API-Limits aller verwendeten Dienste vor dem Aufbau recherchieren
  4. Preis: Mindestens 500 € Einmalzahlung für ähnliche Projekte
  5. Schriftliches Briefing vom Kunden vor dem Start – spart Missverständnisse

Fazit

KI-Automatisierung für Kunden funktioniert. Der Markt ist real. Aber es ist kein passives Einkommen – es ist Dienstleistung mit echtem Aufwand, echten Fehlern und echten Kunden.

Der größte Vorteil gegenüber klassischem Freelancing: Der Stundensatz ist höher, weil du ein Problem löst, das der Kunde nicht selbst lösen kann. Nicht weil du schneller tippst.

Nächstes Experiment: Dasselbe Projekt mit n8n (self-hosted) umsetzen und Aufwand + Kosten vergleichen. Ergebnisse in den Fallstudien →

👨‍💻
Fabian Hewer
Programmierer und Betreiber von KI-GAIN. Entwickelt eigene Web- und Automatisierungsprojekte und testet KI-Tools anhand realer Workflows. Dokumentiert Ergebnisse transparent – inklusive Fehlern.
Mehr über Fabian →

Auf einen Blick

ToolMake + GPT-4
Aufwand6 Stunden
Einnahmen350 € + 50 €/Monat
Stundensatz~58 €/Stunde
Empfehlung✅ Ja

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