Kennzeichnungs-Ratgeber · Digitale Produkte
KI-Inhalte kennzeichnen: Was Gesetz und Plattformen verlangen
Es gibt keine universelle Pflicht, jeden mit KI unterstützten Inhalt mit „KI-generiert“ zu markieren. Es gibt aber konkrete gesetzliche Fälle, Plattformregeln, Kundenvereinbarungen und getrennte Werbekennzeichnung. Wer diese Ebenen vermischt, kennzeichnet entweder zu wenig oder behauptet Pflichten, die so nicht existieren. Der Beitrag bietet allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung.
Das Wichtigste
- Der EU AI Act verlangt seit 2. August 2026 Offenlegung für bestimmte Deepfakes und bestimmte Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse, nicht für jeden KI-Entwurf.
- Plattformen definieren KI-generiert und KI-assistiert unterschiedlich; eine Kennzeichnung auf YouTube ersetzt keine KDP- oder Etsy-Angabe.
- KDP verlangt die Information an Amazon über KI-generierte Texte, Bilder oder Übersetzungen, nicht aber über rein KI-assistierte Inhalte nach Amazons Definition.
- Etsy verlangt bei seller-prompted AI die Offenlegung in der Artikelbeschreibung; Adobe Stock nutzt eigene Pflichtfelder, Shutterstock akzeptiert solche Contributor-Einreichungen derzeit nicht.
- Werbung, Affiliate-Links und bezahlte Kooperationen brauchen eine eigene kommerzielle Kennzeichnung unabhängig vom KI-Einsatz.
Direkte Antwort
Wann müssen KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden?
Eine Kennzeichnung ist erforderlich, wenn ein einschlägiges Gesetz, die genutzte Plattform oder eine vertragliche Vereinbarung sie verlangt. Seit 2. August 2026 betrifft Artikel 50 des EU AI Act insbesondere professionell eingesetzte Deepfakes und bestimmte KI-Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse. YouTube, Etsy, KDP und Stockplattformen haben zusätzlich eigene, voneinander abweichende Regeln. Werbung muss unabhängig davon als Werbung erkennbar sein.
1. Muss jeder KI-Text und jedes KI-Bild gekennzeichnet werden?
Nein. Ein mit KI korrigierter Geschäftsbrief, ein intern erzeugter Gliederungsentwurf oder eine Fantasiegrafik unterliegt nicht allein wegen des Werkzeugs automatisch derselben gesetzlichen Kennzeichnung. Die richtige Antwort hängt davon ab, wer das System beruflich einsetzt, welche Art von Inhalt entsteht, ob er realistisch täuscht, wo er veröffentlicht wird und welche vertraglichen Regeln gelten.
„KI-assistiert“ und „KI-generiert“ sind außerdem keine überall identisch definierten Rechtsbegriffe. Amazon KDP grenzt beide für seine eigene Meldepflicht ausdrücklich ab; eine andere Plattform kann anders entscheiden. Verwende daher keinen einzigen internen Schalter für alle Kanäle. Eine Content-Datenbank sollte pro Asset festhalten, welches Tool welche Bestandteile erzeugt oder verändert hat und auf welchen Plattformen das Ergebnis verwendet wird.
2. Welche vier Ebenen müssen getrennt geprüft werden?
| Ebene | Prüffrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Gesetz | Erfasst Artikel 50 AI Act oder eine andere Vorschrift den Inhalt? | professionell veröffentlichter Deepfake |
| Plattform | Welche Upload- oder Listing-Regel gilt? | YouTube-Schalter für realistische synthetische Inhalte |
| Vertrag | Was wurde dem Kunden zugesagt? | Offenlegung eingesetzter Generatoren im Projektbericht |
| Werbung | Liegt ein kommerzieller Zweck oder eine Gegenleistung vor? | bezahlte Kooperation oder Affiliate-Link |
Eine Angabe auf einer Ebene erledigt die anderen nicht. „Enthält KI“ kennzeichnet keine bezahlte Kooperation. Umgekehrt sagt „Werbung“ nichts darüber aus, ob ein realistischer synthetischer Sprecher offengelegt wurde. § 6 DDG verlangt, dass kommerzielle Kommunikation klar als solche erkennbar ist; § 5a UWG erfasst unter bestimmten Voraussetzungen auch das Verschweigen des kommerziellen Zwecks. Diese Pflichten gelten unabhängig davon, ob die Anzeige von Menschen oder KI erstellt wurde.
3. Welche KI-Inhalte erfasst Artikel 50 des EU AI Act?
Seit 2. August 2026 müssen professionelle Betreiber eines KI-Systems grundsätzlich offenlegen, wenn erzeugte oder manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte einen Deepfake darstellen. Die EU-Kommission beschreibt Deepfakes als Inhalte, die existierenden Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen ähneln und fälschlich authentisch oder wahr erscheinen können. Die Offenlegung soll spätestens beim ersten Kontakt klar, unterscheidbar und ohne Spezialwerkzeug wahrnehmbar sein. Eine rein maschinenlesbare Markierung des Anbieters reicht für diese Betreiberpflicht nicht allein.
Auch veröffentlichter KI-generierter oder manipulierter Text, der die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren soll, fällt grundsätzlich unter die Offenlegung. Die Kommissionsleitlinien nennen etwa Politik, öffentliche Verwaltung, Grundrechte, Gesundheit, Sicherheit sowie relevante wirtschaftliche, wissenschaftliche oder kulturelle Entwicklungen. Eine wichtige Ausnahme besteht, wenn der Text menschlich überprüft oder redaktionell kontrolliert wurde und eine natürliche oder juristische Person redaktionell verantwortlich ist.
Für erkennbar künstlerische, kreative, satirische, fiktionale oder ähnliche Deepfakes genügt eine angemessene Offenlegung, die Darstellung und Werkgenuss nicht unnötig behindert. Inhalte, die vor dem 2. August 2026 erzeugt wurden, müssen nach der aktuellen Kommissionsauslegung nicht rückwirkend gekennzeichnet werden. Die begrenzte Übergangsfrist bis Dezember 2026 betrifft bestimmte technische Markierungspflichten von Anbietern; professionelle Veröffentlichungen sollten sich nicht pauschal darauf berufen.
4. Was muss auf YouTube als KI-Inhalt offengelegt werden?
YouTube verlangt die Upload-Angabe für bedeutend veränderte oder synthetisch erzeugte Inhalte, wenn sie realistisch wirken. Dazu gehören Darstellungen, in denen eine reale Person scheinbar etwas nie Gesagtes tut, veränderte Aufnahmen echter Ereignisse oder realistische Szenen, die nicht stattgefunden haben. Synthetische Musik und das Klonen der Stimme einer anderen Person nennt YouTube ebenfalls als Beispiele.
Nicht jede Produktionshilfe braucht nach der Plattformregel einen Hinweis. YouTube nennt unter anderem Ideenfindung, Skript- oder Thumbnail-Hilfe, Untertitel, Bildschärfung, kleinere Farbkorrekturen, fantastische unrealistische Szenen und das Klonen der eigenen Stimme als Beispiele ohne zwingende Angabe. Die Liste ist nicht abschließend. Wer den Schalter korrekt setzt, soll dadurch nach YouTube weder Reichweite noch Monetarisierbarkeit verlieren. Wiederholtes Verschweigen kann dagegen eine von YouTube gesetzte Kennzeichnung, Entfernung von Inhalten oder Ausschluss aus dem Partnerprogramm nach sich ziehen.
5. Welche Regeln gelten bei Etsy, Amazon KDP und Stockplattformen?
Etsy: Seller-prompted AI creations sind als eigene Designs zulässig, wenn sie die übrigen Kreativitätsstandards erfüllen. Der Verkäufer muss in der Artikelbeschreibung offenlegen, dass der Artikel mit KI erstellt wurde. Eigenständige KI-Prompt-Bundles schließt Etsy in seinen Kreativitätsstandards aus. Auch Produktionspartner müssen separat korrekt angegeben werden.
Amazon KDP: Amazon verlangt bei Veröffentlichung oder erneuter Veröffentlichung die Information über KI-generierte Texte, Bilder und Übersetzungen. Als KI-generiert behandelt KDP tatsächlichen, von einem KI-Werkzeug erzeugten Inhalt auch dann, wenn er anschließend umfangreich bearbeitet wurde. Rein KI-assistierte Ideenfindung, Korrektur oder Verbesserung eines selbst erstellten Inhalts muss nach der aktuellen KDP-Definition nicht gemeldet werden. Die Angabe erfolgt gegenüber der Plattform; daraus folgt nicht automatisch eine sichtbare Leserkennzeichnung.
Adobe Stock: Generativ erstellte Bilder, Vektoren oder Videos sind mit dem vorgesehenen Pflichtfeld als generative AI zu markieren. Adobe verlangt außerdem die nötigen Einreichungsrechte und für bestimmte fiktive Personen oder Objekte weitere Angaben. Shutterstock: Dort reicht eine Kennzeichnung nicht aus: Shutterstock akzeptiert aktuell keine von Contributoren eingereichten KI-generierten Inhalte zur Lizenzierung. Regeln können sich ändern; lies sie unmittelbar vor jedem Upload erneut.
6. Wie formuliert und platziert man einen verständlichen Hinweis?
Der Hinweis sollte sagen, was für die Wahrnehmung relevant ist, statt nur ein vages Kürzel zu zeigen. Für ein realistisches Video kann passen: „Bild und Stimme in dieser Szene wurden mit KI erzeugt; sie zeigen kein reales Ereignis.“ Für eine Etsy-Beschreibung: „Das Motiv wurde aus meinen Vorgaben mit einem Bildgenerator erstellt und anschließend manuell bearbeitet.“ Für einen redaktionell geprüften Text kann ein freiwilliger Methodenhinweis lauten: „KI unterstützte Gliederung und sprachliche Überarbeitung; Fakten und finale Fassung wurden redaktionell geprüft.“
Diese Beispiele sind keine rechtssicheren Universaltexte. Platziere einen gesetzlich erforderlichen Deepfake-Hinweis so, dass Menschen ihn beim ersten Kontakt wahrnehmen können. Verstecke ihn nicht ausschließlich in Hashtags, Metadaten oder einer kaum auffindbaren Unterseite. Bei Audio kann ein verständlicher gesprochener Hinweis nötig sein; bei Bildern und Videos ein sichtbarer Hinweis. Nutze zusätzlich die vorgesehenen Plattformfelder, weil ein eigener Beschreibungstext den technischen Upload-Schalter nicht immer ersetzt.
7. Wie dokumentiert man KI-Einsatz und spätere Änderungen?
- Asset, Tool, Modellversion, Erstellungsdatum und verantwortliche Person speichern.
- Festhalten, welche Teile generiert, verändert oder nur korrigiert wurden.
- Menschliche Prüfung und redaktionelle Verantwortung dokumentieren.
- Für jeden Kanal die damals geltende Plattformregel und gesetzliche Einordnung notieren.
- Verwendete Upload-Felder, sichtbaren Hinweis und Screenshot der Veröffentlichung archivieren.
- Bei Wiederverwendung auf einer anderen Plattform die Prüfung neu durchführen.
- Regeln regelmäßig und vor wichtigen Kampagnen direkt an der Primärquelle aktualisieren.
Ein solcher Nachweis verhindert nicht jede Streitfrage, macht Entscheidungen aber überprüfbar. Für Rechte an dem Inhalt ergänzt KI und Urheberrecht den Prozess; für YouTube behandelt YouTube-KI-Videos monetarisieren zusätzlich Originalität und Partnerprogramm.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen zu der Kennzeichnung von KI-Inhalten
Muss jeder mit ChatGPT geschriebene Text gekennzeichnet werden?
Nein, nicht pauschal. Artikel 50 erfasst bestimmte veröffentlichte Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse; Plattformen und Verträge können eigene Regeln haben. Redaktionelle Prüfung ist für die AI-Act-Ausnahme relevant.
Müssen KI-Bilder auf Etsy gekennzeichnet werden?
Etsy verlangt bei seller-prompted AI creations die Offenlegung der KI-Nutzung in der Artikelbeschreibung. Zusätzlich müssen alle übrigen Kreativitäts- und Rechteanforderungen erfüllt sein.
Muss ich KI-assistierte Inhalte bei Amazon KDP melden?
Nach KDPs aktueller Definition nicht, wenn du den Inhalt selbst erstellt und KI nur für Ideen, Korrektur oder Verbesserung genutzt hast. Tatsächlich von KI erzeugte Texte, Bilder oder Übersetzungen müssen Amazon gemeldet werden.
Reicht der Hashtag #AIgenerated für einen Deepfake?
Nicht automatisch. Die Offenlegung muss im konkreten Fall klar, unterscheidbar und wahrnehmbar sein. Ein versteckter Hashtag oder nur maschinenlesbare Metadaten können unzureichend sein.
Ist KI-Kennzeichnung dasselbe wie Werbekennzeichnung?
Nein. Bezahlte Kooperationen, Affiliate-Links und andere kommerzielle Kommunikation müssen unabhängig vom KI-Einsatz als solche erkennbar sein.
Hintergrund
Quellen und weiterführende Informationen
Regeln, Preise und Funktionen können sich ändern. Stand dieses Beitrags: 13.08.2026.
- EU-KommissionLeitlinien zu Transparenzpflichten nach Artikel 50 AI Act
- EU-VerordnungAI Act, insbesondere Artikel 50
- PlattformregelYouTube: Offenlegung veränderter oder synthetischer Inhalte
- PlattformregelEtsy: Creativity Standards und seller-prompted AI
- PlattformregelAmazon KDP: Richtlinien für KI-generierte und KI-assistierte Inhalte
- PlattformregelAdobe Stock: Generative-AI-Richtlinien für Contributors
- PlattformregelShutterstock: keine KI-generierten Contributor-Einreichungen
- Gesetz§ 6 DDG: Kennzeichnung kommerzieller Kommunikation
- Gesetz§ 5a UWG: Irreführung durch Unterlassen